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Sa!nt on Trip

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Donnerstag, 6. November 2014, 09:32

Review: Alien Isolation



(Anmerkung: UPDATE, gespielt wurde die "Ripley-Edition" auf der Xbox One.)


Jeder Horrorfan wird sicherlich mal etwas vom Alien gehört haben. Von 1979 bis 1997 hatte das Xenomorph, wie es ursprünglich heißt, 4 Kinoauftritte. Dazu hatte es auch schon Begegnungen mit seinem Kontrahenten, dem Predator. Auch über Videospielbildschirme flimmerte es schon mehrmals. Das letzte mal sahen sich Gamer in Aliens: Colonial Marines dem Wesen aus einer unbekannten Welt gegenüber. Jedoch hatten die Entwickler damit trotz der hohen Erwartungen ein faules Ei gelegt. Zu mainstreamlastig und der Filmvorlage nicht gerecht, wurde das Spiel regelrecht zerissen. Nun bekommen Alienfans eine neue Chance und zwar in Form von Alien: Isolation. Auch hier wieder eine Vergewaltigung des Franchise ?

Die Story knüpft an den ersten Kinofilm an. Während die einzige Überlebende des Nostromo-Zwischenfalls, Ellen Ripley, im Tiefschlaf durch das All trudelt, macht sich ihre Tochter Amanda auf die Suche nach ihr. Auf der Raumstation "Sevastopol" (bitte nicht fragen, warum man sie nach der Krim-Hauptstadt benannt hat, das wissen vermutlich nichtmal die Entwickler selber...) soll sich der Flugschreiber der Nostromo befinden, weshalb Ripley sie mit einem kleinen Raumschiff ansteuert. Nichtmal ganz angekommen kommt es zu Turbulenzen. Zwar schaffen es alle mehr oder weniger in die Station hinein, aber offensichtlich hat es hier einen gewaltigen Zwischenfall gegeben. Der Grund dafür wird recht bald geliefert, denn Amanda siehtt sich einem gefährlichen und übernatürlichen Gegner gegenüber.

Die wenigen Spieler, die sich an Aliens: CM erfreuen konnten, werden sich hier in einer komplett anderen Welt wiederfinden. Statt sich mit Impulsgewehr & Co. "in die Schlacht" zu stürzen, muss der Spieler hier erstmal bei null anfangen. Aufgabe wird es erstmal sein, sich auf der Station zurechtzufinden, die Crewkameraden aufzuspüren und den Flugschreiber zu finden. Leichter gesagt als getan, da in vielen Bereichen der Strom ausgefallen ist und die Türen blockiert sind. Also kommt noch das Aufsammeln von Ausrüstungsteilen hinzu. Um eine Tür zu überwinden, sind verschiedene Gegenstände notwendig. Eine benötigt eine Schlüsselkarte, andere sind mit massiven Magnetschlössern verriegelt, welche einem Wartungsheber bedürfen, und wiederum andere knackt man nur mit roher Gewalt a la Plasmaschneider. Terminals der Besatzung (eckige Macintosh-Inspirationen mit simplem Betriebssystem a la DOS) haben Hintergrundinfos parat, geben Tipps oder berherbergen auch den einen oder anderen Code. Auch Tonbänder, ebenfalls im Retrodesign, helfen dem Spieler, das Rätsel um die Station nach und nach zusammenzupuzzeln.

Schon recht früh muss Amanda zu der Erkenntnis kommen, dass die Besatzung der Station in Krisensituationen nicht gern Besuch empfängt. Gerät man in die Sichtweite von Plünderern oder Sicherheitskräften, zieht man sich schnell eine Bleivergiftung zu. Daher wäre es bei höheren Gegeneransammlungen ratsam, lieber unbemerkt zu bleiben. Als wären diese aggressiven Burschen nicht schon schlimm genug, macht Amanda auch bald mit dem wahren Feind Bekanntschaft, dem Xenomorph. Der Spieler wird über einen großen Teil des Spiel vom Alien verfolgt, welches über eine KI verfügt, die man selten in einem Game zu sehen bekommt. Jaa genau, DAS Alien. Das auf Sevastopol befindliche Exemplar ist (scheinbar) das einzige seiner Art. Jedoch wird dieses locker ohne größere Probleme mit Gruppen von bewaffneten Menschen fertig. Unter anderem aufgrund obiger Tatsache haben die Entwickler dem Xeno eine gewisse Unverwundbarkeit spendiert, denn das Alien lässt sich mit Schusswaffengewalt nicht aufhalten. Lediglich mit feurigen Argumenten kann man es vertreiben, allerdings auch nur für kurze Zeit. Dieser überlegenen Gegner hat leider auch so manchen Nörgler auf den Plan gerufen, aber mal ehrlich: Wenn man das Vieh gleich bei der ersten Begegung abservieren könnte, wo wäre dann der Horror ?

Horror - gutes Stichwort. Davon hat das Spiel eine ganze Menge parat. Oft ist der Spieler in dunklen Gegenden unterwegs, abgeschnitten von seinen Verbündeten und immer mit der Angst im Rücken, das Alien könnte einem jeden Moment über den Weg laufen. Das kann einem sogar recht oft passieren, wenn man sich mit der Lautstärke nicht zurückhält. Zwar kann man das Alien per Bewegungsscanner orten, allerdings ist oft schwer ersichtlich, ob es sich im Raum nebenan befindet oder in der Decke herumkrabbelt. In einigen Räumen kann man in Schränken Schutz suchen, falls einem das Vieh grade auf den Fersen ist. Eine 100 %-ige Sicherheit bieten diese allerdings auch nicht. Allgemein ist man angeraten, sich leise fortzubewegen und immer mal nach Luftschächten Ausschau zu halten, welche einen etwas sicherer dem Ziel entgegenbringen. Das Spielprinzip kann man also als Hide & Seek-Survival bezeichnen. Es ist in jedem Fall etwas erfrischend neues, und auch etwas worauf der Horrorfan sich freuen kann. Wenn man gerade dem Ausgang entgegenrennt und plötzlich das Alien auftaucht, ist das Terror pur.

Um den Gegnern (neben Mr. Xeno und den bereits erwähnten Plünderern treiben sich auf der Station auch noch teils aggressiv eingestellte Androiden herum) etwas Widerstand zu bieten, kann man sich verschiedene Ausrüstungsteile selbst basteln - die passenden Baupläne vorrausgesetzt. Dafür benötigte Teile liegen überall herum. So kann der Spieler sein Arsenal mit Geräuschkulissen zur Ablenkung, Brand- und Rohrbomben oder Medikits füllen. Gerade Ablenkung ist wichtig, wenn man sich eine Konfrontation nicht leisten kann und daher den Weg des Tricksers wählt. Zwar kann man im Falle des Falles auch auf seinen Revolver zugreifen, jedoch wird das Alien durch Lärm magisch angezogen, und so kommt es vor, dass es bei einer Schießerei dazwischenfunkt und man in der Regel als erstes zerfetzt wird. Andererseits kann man auch nach der Devise "Der Feind meines Feindes ist mein Freund" verfahren. Eine laute Blendgranate in eine Gegnergruppe geworfen und dann schön im Schatten warten - so kann man sich seinem Hindernis auch entledigen.

Die Optik des Spiels ist dem ersten Kinofilm angelehnt, und jeder Fan dieses wird sich sofort heimisch fühlen. Architektur, Kulissen, Gegenstände, Deko - alles erkennt man sofort wieder und passt wie angegossen. Schöne Licht- und Raucheffekte verschaffen der Optik die passende Atmosphäre. Der Aufbau der Station selbst erinnert an Dead Space. Verschiedene Areale sind durch ein Transitsystem verbunden und man kommt im Verlauf an bereits besuchten Orten vorbei, etwa wenn man nun eine Tür öffnen kann, welche mangels passendem Gegenstand verschlossen blieb. Auch der Soundtrack sorgt für erstklassiges Alienfeeling. Ebenfalls einen guten Job machen die Sprecher - keine talentfreien Halblaien, die allerfurzelang "Oorah!" vor sich hinzugrunzen. Bei diesem Titel merkt man, dass die Entwickler sich wirklich Mühe gegeben haben, um aus der Filmvorlage etwas gutes zu zaubern. Das Gameplay ist wie gesagt innovativ und es wäre schön, wenn es Schule machen würde, denn diese Art von Spielen hat es in der Vergangenheit definitiv zu selten gegeben. Allen Horrofans sei angeraten, direkt den höchsten Schwierigkeitsgrad zu wählen. Der Einstieg ist dann zwar etwas komplizierter, jedoch sind Panik- und Terrorfaktor auch am höchsten, und gerade diese beiden Faktoren machen das Spiel aus. Lediglich die langen Ladezeiten könnten einem mit der Zeit auf den Keks gehen, auch ruckeln die Zwischensequenzen teils auffällig.

Wer sich die "Ripley-Edition" geleistet hat, kann sich noch zwei Bonusszenarien herunterladen, "Besatzung entbehrlich" und "Letzte Überlebende" (welche vorher noch ausschließlich als Vorbestellerbonus vorgesehen waren). Beide spielen direkt in der Handlung des ersten Films. Bei ersterem kann man sich zwischen Ellen Ripley, Parker oder Dallas entscheiden. Es gilt, das Alien in eine Falle zu locken und ins All zu schleudern. Im zweiten Szenario muss man die Selbstzerstörung der Nostromo aktivieren und anschließend vom Schiff entkommen. Allerdings sind beide extrem kurzweilig. Innerhalb kurzer Zeit sind die Aufgaben auch auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad gelöst, nichtmal Zusatzerfolge gibt es. Ärgerlich: Man hat nicht die deutschen Originalsprecher des Films eingesetzt. Alles in allem sind diese Extras nur für Fans des Alien-Erstlings interessant.

Fazit: Eines der Schwergewichte dieses Jahres, andem andere sich eine ordentliche Portion abschneiden können.

Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »Sa!nt on Trip« (6. November 2014, 12:11)


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